Ein Mensch, wie schön!

Alltag / Technik / Zeitgeschehen

Neulich rief ich bei der Hotline einer großen deutschen Wochenzeitung an, mit dem Ziel, mein physisches Zeitungsabonnement in den kommenden Wochen an verschiedene Sommeradressen umleiten zu lassen. Ich griff zum Hörer und wählte eine naheliegende Nummer aus dem Impressum, allerdings mit wenig Hoffnung, mein Wunsch per Telefon sofort erledigen zu können. Bereits dies einfache Vorhaben schien allzu viele technische Hürden bereitzuhalten, insbesondere Chatbots, die mich oder mein Anliegen nicht verstünden.

Nun, es klingelte kaum zweimal und überrascht hörte ich eine sehr klare und ruhige männliche Stimme mit Hamburger Akzent: „Guten Tag, was kann ich für Sie tun?“

Mein Herz hüpfte und ich dachte: „Huch, ein Mensch, wie schön!“, damit rechnet man bei solchen Gelegenheiten ja schon lange nicht mehr. Ich trug mein Anliegen vor und alles war in kürzester Zeit erledigt.

Ein Mensch, wie schön! Denke ich mir in letzter Zeit doch erstaunlich oft. Vor allem in Dienstleistungskontexten, vom Arztbesuch bis zum Zeitungsabo eben, aber durchaus auch akademische Belange betreffend, beispielsweise an verschiedenen Stellen des Publizierens. Aber ja, auch in der Politik und im alltäglichen Zusammenleben stelle ich immer wieder fest, dass die Freude mit einem Menschen zu tun zu haben, nah oder fern, mich irgendwie froh stimmt und der Mensch an sich ein potentieller Hoffnungsträger ist, einmal dahingestellt, ob man zunächst gleicher Meinung ist oder nicht. Jedenfalls gibt es eine grundsätzliche Chance verstanden zu werden und nicht nur als technisch unsauberes, unidirektionales Daten- und Infomaterial verdrossen und unverrichteter Dinge zurückgelassen zu werden.