Gehen

Berlin-Wedding / Gehen / Literatur / Schreiben

Als die Fertigstellung meiner Dissertation mental anstrengend wurde, habe ich begonnen regelmäßig spazieren zu gehen — alle paar Tage, etwa eine Stunde, zwei Stunden, dann bis zu drei Stunden täglich. Gesegnet ist, wer Zeit dafür hat. Ich hatte, mit längeren Unterbrechungen, nahezu zwei Jahre Gelegenheit dazu! Zuerst führten mich meine Wege – das Nordufer und den Plötzensee hinter mir lassend – durch den bewaldeten Volkspark Rehberge, später auch durch die Westberliner Innenstadt, meist um Bibliotheksgänge zu erledigen. Das geschah oft am frühen Nachmittag, vor oder nach dem Mittagessen, jedenfalls als die Denkarbeit für den Tag erledigt schien bzw. meine Konzentrationsfähigkeit zuneige ging. Routinen helfen den Tag zu strukturieren. Gehen ist heilsam. Kopf und Körper vereinen sich.

Diese Obsession hat als intuitiver Stressabbau begonnen. Nun, als professionelle Spaziergängerin, weiß ich, dass es dazu reichlich Literatur gibt. Erst kürzlich wurde Rebecca Solnits “Wanderlust. Eine Geschichte des Gehens” ins Deutsche übertragen und die neuste Ausgabe der Zeitschrift Kunstforum (266) titelt “Die Kunst des Gehens” — ich bin gespannt.